Elsdorf (pk). Knapp 100 archäologische Fundstücke können sich die Elsdorfer derzeit im Rathaus ansehen. Zusammen mit der Stadt Elsdorf ermöglicht der Landschaftsverband Rheinland (LVR) einen Blick in frühere Zeiten. Gut erhaltene Gläser sind dabei genauso Teil der Ausstellung wie alte Türen, Tintenfässer oder Leugensteine.
Die ältesten Stücke lassen sich auf das erste Jahrhundert
datieren, einige "jüngere hingegen stammen
"nur" aus dem 16. Jahrhundert. "Besonders viele
Stücke konnten wir in den vergangenen zehn Jahren aus dem
Vorfeld des Hambacher Tagebaus finden", erklärte Dr.
Wolfgang Gaitzsch vom Amt für Bodendenkmalpflege des LVR. Er
lobte die gute Kooperation mit der RWE.
Im Hambacher Forst konnten viele gut erhaltene Keramiken und
Gläser gefunden werden, die im vierten und fünften
Jahrhundert dort produziert wurden. Meist wurden die Gläser in
Gräbern gefunden. Das erklärt ihren guten Gesamtzustand.
"Wenn wir etwas in alten Siedlungen finden, ist dies meist
zerbrochen", wusste Dr. Wolfgang Gaitzsch. Aufgrund von
Prägungen konnten die Forscher nachweisen, dass die
Gläser bis nach Frankreich exportiert wurden. Hergestellt
wurden sie in einer oder mehrerer Glashütten direkt im
Hambacher Forst. Vor allem so genannte Fasskrüge aus Glas
stellten früher einen Schwerpunkt der Hambacher Produktion
dar.
Eine weitere Besonderheit stellte ein Tintenfass dar. Erst eine
Röntgenaufnahme zeigte, dass das Fässchen einen doppelten
Boden enthielt. Im unteren Teil war Pulver enthalten. Darüber
die flüssige Tinte. Sie wurde immer nur in der Menge aus dem
Pulver angerührt, die nötig war.
20 Jahre Vorbereitung stecken hinter dieser Ausstellung. "Sie
zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch die Elsdorfer
Geschichte", so Bürgermeister Wilfried Effertz.
Einen wesentlichen Beitrag zur Erschließung und Gründung
von Elsdorf hat die alte Römerstraße "Via
Belgica" beigetragen. Sieben Kilometer liegen auf dem
Gemeinde- und Stadtgebiet und brachten unter anderem einen
Leugenstein zu Tage, der als eine kleine Sensation gilt. Er
enthält eine Inschrift aus dem Jahr 251 und zeigt die
Entfernung bis Köln: 28,8 Kilometer oder XIII Leugen. Eine
"Leuge" war ein in Gallien gebräuchliches Maß
und entsprach dem Anderthalbfachen einer römischen Meile: ein
wenig mehr als 2,2 Kilometer. Eine Kopie des Originals ist heute
auf der Köln-Aachener-Straße in der Nähe des
ehemaligen Westbahnhofs zu sehen.
Die gesamte Ausstellung ist noch bis Freitag, 8. Juni, im
Rathaus an der Gladbacher Straße zu sehen.


