Spuren jüdischen Lebens in Elsdorf

Der Künstler Gunter Demnig verlegte Stolpersteine in Elsdorf - Schüler verlasen Lebens- und Todesdaten der jüdischen Mitbürger

Elsdorf (md). "Ein Stolperstein bringt uns aus dem Tritt, wenn Gleichschritt angesagt ist", sagte Manfred J. Junggeburth, Vorsitzender des Geschichtsvereins Elsdorf in seiner kurzen Ansprache zur Stolpersteinverlegung.
Die Idee dazu entstand zur Zeit des legendären "Arsch huh, Zäng ussenander" Konzertes 1992 in Köln.
Damals setzten Künstler auf Musik im Kampf gegen Rechtradikalismus.
Auch in Elsdorf ist es wieder ein Künstler, der aufmerksam macht, "aus dem Tritt bringt". Auf Initiative des Geschichtsvereins erinnerte Gunter Demnig an jüdisches Leben in Elsdorf und die Opfer der NS-Zeit, indem er an ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig verlegte.
Das Projekt wurde schon an mehr als 700 Orten mit über 32.000 Steinen umgesetzt, nicht nur in Deutschland, auch im europäischen Ausland.
Demnig erhielt für das Projekt "Stolpersteine" zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
"Wir haben uns für eine punktuelle Verlegung der Gedenktafeln entschieden," so Volker Juhrich, Geschäftsführer des Geschichtsvereins. Demnig verlegte jeweils zwei Steine an drei unterschiedlichen Orten in Elsdorf, drei vor einem Wohnhaus in Berrendorf. Es lebten jedoch weit mehr Familien jüdischen Glaubens im Umfeld.
Davon zeugt auch der jüdische Friedhof an der Nußbaumallee oder die Gedenktafel, die an die Synagoge Elsdorf erinnert. Zur Stolpersteinverlegung fanden sich zahlreiche Interessierte ein, darunter auch Schüler der Reuschenberg-Schule, die Lebens-und Todesdaten der jüdischen Mitbürger verlasen.
Der erste Stein erinnerte an Michael Hausmann, der 1861 geboren wurde. Er flüchtete 1937 vor den Nazis in die Niederlande und verstarb 1942 eines natürlichen Todes. Sein Bruder Sigismund, 1868 geboren, flüchtete mit ihm nach Zwolle und wurde von dort nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Die Familie Hausmann lebte in sechster Generation in der Region. Hans-Willi und Josi Schlang, die heutigen Bewohner des Hauses, nahmen Kontakt mit Nachkommen der Brüder auf. So erfuhren sie: "Die Hausmanns waren wohlhabende Elsdorfer, die lange glaubten, dass ihnen nichts passieren würde."
1983 initiierte Josi Schlang eine Projektarbeit mit Schülern der Reuschenberg-Schule zum Thema "Jüdisches Leben in Elsdorf" und sie befragten noch lebende Zeitzeugen.
Die Aufzeichnungen sind in der Stadtbücherei einzusehen. 2008 erschien "Das Buch der Erinnerung", von Heinz-Gerd Friedt, eine Publikation des Geschichtsvereins. Es gibt Auskunft über die umfangreichen Familienstrukturen jüdischen Lebens im Ortsgebiet Elsdorf.
Ein paar Straßen weiter lebte der Schneidermeister Karl Weil mit seiner Frau Emma, denen die nächsten Gedenksteine gewidmet wurden. "Auch Nationalsozialisten ließen hier ihre Uniformen schneidern. Man nimmt an, dass dieses Haus in der Reichsprogromnacht weniger stark bedrängt wurde, da die SA Angst um ihre eigenen Uniformen hatte", erläuterte Josi Schlangen.
Der angrenzende kleine Platz soll auch der Ausgangspunkt der Kristallnacht gewesen sein. Damals schauten viele Menschen weg. Es wurden Fenster eingeschlagen und Nachbarn aus ihren Häusern gejagt. Manfred J. Junggeburth appellierte an die Anwesenden: "Hinschauen ist nicht schwer". Und ergänzte: "Ich bin froh, dass sie hier sind!"

Letzte Änderung: Montag, 19.12.2011 14:09 Uhr

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