Foto Werner Müller

Fahren Sie vorsichtig!

Tipps und aktuelle Fahrberichte - exklusiv von Motorjournalist Werner Müller


Gefahr für Tier und Mensch: Straßen in Waldgebieten

Im Sommer und Herbst ist die Gefahr von Wildunfällen besonders groß. Mit Baumaßnahmen kann man gegensteuern. Besser ist vorsichtiges Fahren

Vor über 30 Jahren wurde die französische Autobahn von Mulhouse nach Dijon fertig gestellt. Die wilde, gefährliche Hatz über die Landstraßen an Belfort und Besancon vorbei hatte endlich ein Ende. Die erste Tour über die neue Autobahn brachte mich damals in Staunen. Warum bauen die Franzosen denn alle paar Kilometer mitten im Wald so extrem breite Brücken?


Des Rätsels Lösung: Die neue Autobahn durchschnitt kurz hinter Mulhouse ein riesiges Waldgebiet. Die Franzosen erkannten früh, dass man die Autofahrer und die Tierwelt am besten vor Kollisionen und Schäden schützt, wenn man Wildbrücken einplant und baut. Die Fahrbahn wurde tiefer ins Erdreich verlegt und die Waldflächen durch extrem breite, rund auslaufende Brücken verbunden. Und sogar mit Sträuchern und Bäumen bepflanzt. Seit 25 Jahren wird in Frankreich keine Autobahn mehr ohne Wildbrücke gebaut. Obwohl Deutschland extrem waldreich ist, hinken unsere Straßenplaner dieser guten Idee weit hinterher.


Aber es tut sich was. So wird an der A3 im Königsforst derzeit je eine Wildbrücke über die Autobahn und die danach folgende Landstraße zwischen Rath-Heumar und Rösrath gebaut. Derzeit zeigen die 16 Pfeiler im Mittelstreifen an der A3 und die abgeholzten Flächen neben der Autobahn, wie groß einmal die Grünbrücke sein wird. Knapp 80 Meter breit überspannt sie die mit über 80.000 Autos am Tag befahrene Autobahn. Die Tiere sollen künftig wieder ungehindert zwischen der Wahner Heide und dem Königsforst, zwei beliebten Naturschutzgebieten, wechseln können.


Neue Straßen schaffen zwar Verbindungen für Menschen, für die Tierwelt zerschneiden sie dagegen Lebensräume. Zudem besteht latent die Gefahr von folgenschweren Wildunfällen. Laut ADAC ereignen sich bundesweit rund 250.000 Wildunfälle pro Jahr. Vor diesem Hintergrund prüft der Landesbetrieb Straßenbau NRW inzwischen bei jeder Straßenplanung, ob ein der Bau von Tierschutz-Hilfen erforderlich ist. Billig ist das nicht: Die durchschnittlichen Kosten für eine Grünbrücke summieren sich auf rund drei Millionen Euro und mehr. Die Baumaßnahme im Königsforst kostet für beide Brücken sogar rund acht Millionen Euro.


Empfindliche Tierarten wie etwa Rotwild akzeptieren solche Brücken nur dann, wenn Menschen möglichst fern bleiben. Eine gezielte Bepflanzung führt die Tiere zum Bauwerk. Im Übergang zur Brücke sollen Schutzwände Lärm und Lichtreflexe abhalten.


Die aufwändigen Maßnahmen sind durchaus gerechtfertigt. Denn bei Wildunfällen sterben im Straßenverkehr jährlich rund 50 Menschen und 2.500 werden verletzt. Besonders die Unfälle mit Wildscheinen sind in den letzten 20 Jahren um das Zehnfache gestiegen. 220.000 Rehe, Hirsche und Schwarzwild, also Wildscheine, verenden jährlich bei Unfällen.
Maßnahmen der Jäger wie Warnreflektoren, Duftzaun oder Regulierung von Wildbeständen an besonders kritischen Stellen können helfen.


Aber was können Autofahrer dagegen tun? Auf Waldstrecken wie dem Königsforst, der Wahner Heide, dem Kottenforst oder den Straßen wie etwa der B56 Richtung Bergisches Land sollte man - vor allem bei angezeigten Wildwechseln - das Tempo reduzieren, stets bremsbereit sein und den Fahrbahnrand im Auge zu behalten. Rehe schauen in die Scheinwerfer und ihre Augen leuchten dann. Durch Abblenden der Scheinwerfer haben Tiere eher Fluchtmöglichkeiten, eine starke Lichtquelle irritiert dagegen. Also bitte nicht aufblenden!


Bei aller Tierliebe: Riskante Ausweichmanöver sollte man bei plötzlich aufscheinendem Wild vermeiden. Geradeaus fahren, stark abbremsen und das Lenkrad festhalten, so kann man böse Unfälle durch Fahren in den Gegenverkehr oder Schleudern verhindern. Ein Zusammenstoß mit Haarwild (Rehe, Wildschwein, Fuchs) ist über die Teilkasko versichert.

Die Allianz rät: Nach einem Unfall auf jeden Fall sofort Polizei oder ein Forstamt verständigen, Beweise/Unfallspuren (Haarreste) sichern und bestätigen lassen sowie den Schaden unmittelbar bei der Versicherung melden.


Mein Tipp: Der Tierwelt kann man keine Verkehrsregeln beibringen. Also sind wir Autofahrer gefordert, uns selber, aber auch die Tiere zu schonen. In der Abend- und Morgendämmerung besonders aufmerksam den Fahrbahnrand beobachten, eher mehr Abstand zum Seitenstreifen halten und lieber etwas langsamer durch wenig befahrene Waldgebiete rollen.

Letzte Änderung: Freitag, 22.07.2011 09:43 Uhr

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »